EINE AGORISTISCHE ANALYSE
DES STAATLICHEN SCHULSYSTEMS
KURZFASSUNG
Das staatliche Schulsystem in Deutschland und weltweit gilt offiziell als zentraler Ort der Sozialisation und Förderung von Chancengleichheit. Diese Analyse argumentiert, dass das Schulwesen eher als Instrument zur ideologischen Konditionierung, denn zur echten Bildung dient. Seit dem Übergang von kirchlicher zu staatlicher Kontrolle über das Bildungswesen im deutschsprachigen Raum während der Reformation, bis hin zur Ausarbeitung des preußischen Schulsystems dient die zentralisierte und forcierte Bildung durch den Staat dem Zweck loyale und angepasste Bürger zu formen. Historische Beispiele wie das Dritte Reich und die DDR belegen, wie Bildung zur Durchsetzung menschenfeindlicher Ideologien missbraucht wurde und Muster der Gleichschaltung und Propaganda aufzeigen. Die Untersuchung deckt auf, dass ähnliche Mechanismen auch im 21. Jahrhundert durch Themen wie Militarisierung, Prebunking-Techniken zur Informationssteuerung und eine forcierte Digitalisierung fortbestehen. Ziel dieser Arbeit ist es, diese Mechanismen zu beleuchten, die wahren Funktionen des Schulsystems zu hinterfragen und alternative, dezentralisierte Bildungsmodelle aufzuzeigen.
Keywords: Agorismus, Lösungen, Schulsystem, Bildungsdezentralisierung
EINFÜHRUNG
Das öffentliche Schulsystem ist für die meisten Menschen in Deutschland und der Welt ein unumstößliches Konzept unserer Gesellschaft und ein Teil der modernen westlichen Welt. Die Schule wird als zentraler Ort der Sozialisation betrachtet, an dem Kinder nicht nur Wissen erwerben, sondern auch den Umgang mit Gleichaltrigen lernen, soziale Fähigkeiten entwickeln und ein Teil dieser Gesellschaft werden. Schätzungen zufolge haben etwa 160 bis 180 Länder weltweit irgendeine Form von Schulpflicht.
Die Schulpflicht in Deutschland wird dabei im internationalen Vergleich als besonders streng angesehen. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, wie etwa den USA, Kanada oder Großbritannien, ist Homeschooling in Deutschland grundsätzlich verboten und es besteht eine allgemeine Präsenzpflicht. In Deutschland gibt es zwar Privatschulen und alternative Bildungssysteme wie Montessori- oder Waldorfschulen, doch auch diese unterliegen der staatlichen Aufsicht und müssen den vorgegebenen Lehrinhalt umsetzen.
Im Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland ist zudem im Artikel 7 festgelegt, dass „Das gesamte Schulwesen unter der Aufsicht des Staates steht.“ [1]
Alle Kinder sollen in einer kontrollierten Umgebung eine standardisierte staatlich vorgegebene Bildung erhalten. Diese Vorgabe wird im Ernstfall auch mit Gewalt durchgesetzt. Eltern, die ihre Kinder nicht zur Schule schicken, drohen Bußgelder und die Entziehung des Sorgerechts durch die staatliche Autorität. Die Schulpflicht in Deutschland erstreckt sich dabei abhängig vom Bundesland über 9 bis 12 Jahre.
Offiziell soll die strenge Schulpflicht in Deutschland soziale Gerechtigkeit, Integration, Chancengleichheit, die wirtschaftliche Stabilität des Landes und die Werte einer demokratischen Gesellschaft fördern. Der staatliche Schulbesuch soll sicherstellen, dass alle Kinder Zugang zu einer breiten und qualitativ hochwertigen Bildung haben. Zudem wirbt der Staat damit, mit dem Schulbesuch einen gewissen Schutz vor Vernachlässigung und Missbrauch zu bieten.
Und obwohl die Schule im Sinne einer sozialen und gesellschaftlichen Gemeinschaft sehr etabliert ist und ohne Zweifel in einzelnen Fällen Kindern aus vernachlässigten Familiensituationen helfen kann, gibt es seit Anbeginn der staatlichen Schulpflicht auf der ganzen Welt immerwährende kritische Stimmen an diesem System. Kritiker behaupten, dass die Schulpflicht von Regierungen und Bildungs-organisationen benutzt wird, um die Gedanken junger Menschen zu beeinflussen und zu manipulieren. Dass die staatliche Schulpflicht als ein Instrument der Staatsbildung und Kontrolle genutzt wird, um loyale und hörige Bürger gegenüber dem Status Quo zu formen.
Nicht zuletzt gab es auch im dritten Reich oder der sozialistischen DDR eine Schulpflicht. Auch in diesen Zeiten warb der Staat offiziell mit den gleichen Argumenten, wie das bis heute der Fall ist. Damals nutze die Herrscherklasse das staatliche Schulsystem, um mit dem Faschismus und dem Kommunismus nachweislich menschenfeindliche Ideologien zu lehren und die Menschen mittels Gleichschaltung und Propaganda zu lenken.
Haben wir diese Mechanismen mittlerweile überwunden oder sind diese noch genauso aktuell wie damals? Wie stichhaltig sind die Anschuldigungen gegenüber der staatlichen Schulpflicht? Und welche Rolle spielt die staatliche Bildung bei der Beeinflussung junger Menschen?
Um diese Fragen zufriedenstellend zu beantworten, müssen wir uns mit den Anfängen des Schulwesens beschäftigen. Oder anders ausgedrückt, wollen wir uns mit der historisch gewachsenen organisierten Wissensvermittlung durch zentralisierte Institutionen in der menschlichen Gesellschaft auseinandersetzen. Denn obwohl sich die Ursprünge des modernen deutschen Schulsystems bis zu den preußischen Reformen im 19. Jahrhundert zurückverfolgen lassen, ist die Geschichte des modernen Unterrichts um einiges älter.
DIE URSPRÜNGE DER MODERNEN WISSENSVERMITTLUNG
Bereits im antiken Griechenland standen sich zwei grundsätzliche Philosophien gegenüber, die mit ihren unterschiedlichen didaktischen Ansätzen den Unterricht und das Lernen bis in die heutige Zeit prägen. Wollen wir den offiziellen Überlieferungen aus dem antiken Griechenland Glauben schenken, so gab es damals die sogenannten Sophisten. Diese wandernden Lehrer wandten sich vor allem an wohlhabende junge Menschen, um ihnen universelle Bildung sowie die Kunst der Rhetorik zu vermittelten. Ihre Methode war klar strukturiert: Sie gingen davon aus, dass Wissen gelehrt und gelernt werden kann. In ihrer Auffassung bestand die Aufgabe des Lehrers darin, dem Schüler das benötigte Wissen direkt zu vermitteln. Der Schüler hat dieses Wissen aufzunehmen, zu behalten und anzuwenden. Hierbei stand die Kunst der Beredsamkeit im Vordergrund, da rhetorische Fähigkeiten im antiken Griechenland als Schlüssel zum Erfolg in Politik und Gesellschaft galten. Diese Methode entspricht zum Großteil dem heutigen Schulsystem und kann als belehrender oder lehrerzentrierter Unterricht bezeichnet werden. Der Lehrer ist Experte und Autorität, der sein Wissen an die Schüler weitergibt, wobei die Rolle des Schülers passiv ist.
Der belehrenden Methode der Sophisten stand eine andere Sichtweise konträr gegenüber. Diese Alternative wurde von Sokrates und seinen Schülern vertreten, darunter an prominentester Stelle Platon. Sokrates begründete ein dialogisches Verfahren, das auf der Prämisse beruhte, dass dem Lernenden nichts gelehrt werden solle, was dieser nicht aus sich selbst heraus erkennen könne. In diesem Ansatz steht der Lehrer nicht als reiner Wissensvermittler im Vordergrund, sondern als Fragender und Begleiter. Der Lernprozess ist ein gemeinsames Forschen, bei dem der Schüler aktiv wird und durch eigenes Nachdenken die Wahrheit findet.
In seinem bekannten Werk „Die Republik“ beschreibt Platon einen sehr anspruchsvollen, stufenweisen Bildungsprozess, der von der sinnlichen Wahrnehmung bis zur Erkenntnis des Guten führt. Dies ist eng mit der sokratischen Idee verbunden, dass Wissen nicht einfach gelehrt, sondern durch Selbsterkenntnis und inneres Verstehen erlangt wird.
Das berühmte Höhlengleichnis illustriert Platons Auffassung von Bildung als einen Prozess der Befreiung aus der Unwissenheit. In der Allegorie befinden sich Menschen in einer Höhle und können nur Schatten an der Wand sehen, die sie für die Realität halten. Erst durch einen langen Prozess der Selbsterkenntnis und Einsicht können sie die Höhle verlassen und das wahre Licht, also die Wahrheit und das Gute, erkennen. Dieses Gleichnis verdeutlicht, dass Bildung nicht die einfache Vermittlung von Fakten ist, sondern eine Transformation des Geistes durch Erkenntnis.
Diese beiden Philosophien stehen sich bis zum heutigen Tag konträr gegenüber und können als Randpfeiler des menschlichen Spektrums der Wissensvermittlung dienen.
Abbildung 1: Spektrum der Wissensvermittlung
DIE ANFÄNGE DES STAATLICHEN SCHULSYSTEMS
Die Entwicklung des Bildungswesens im deutschsprachigen Raum lässt sich bis auf das frühe Mittelalter zurückverfolgen. Die ersten Bildungseinrichtungen in dieser Zeit wurden vor allem von kirchlichen Kräften organisiert und betrieben. Die damaligen Dom- und Klosterschulen verfolgten die religiöse Erziehung und die Reproduktion kirchlicher Hierarchien als zentrale Aufgabe. Die wenigen Pfarrschulen, die in diese Struktur eingebunden waren, boten auch Kindern aus weniger privilegierten Schichten Zugang zur Bildung, jedoch mit dem Ziel, sie für niedere religiöse oder kirchennahe Aufgaben vorzubereiten. [2]
Mit der Reformation im 16. Jahrhundert begann eine Verschiebung von Kirche auf Staat als führende zentralisierte Autorität hinter dem Bildungswesen. Martin Luther und die Reformatoren erkannten die zentrale Bedeutung von Bildung für die Verbreitung ihrer religiösen Ideen und für den Aufbau einer mündigen, gläubigen Gesellschaft. Dadurch wurden Bildung und Schule neu organisiert und als Kernaufgabe von Kirche und Staat etabliert. Luther forderte bereits 1524 in seiner Schrift „An die Ratsherren aller Städte deutschen Landes“ [3], dass jede Stadt Schulen errichten solle. Luther rief die Fürsten dazu auf, Schulen einzurichten und zu finanzieren, was zur zunehmenden Verstaatlichung der Bildung führte. Die Kernaufgabe der Bildungseinrichtungen war es nun nicht mehr, den christlichen Glaube zu vermitteln, sondern eine Loyalität gegenüber dem Staat und der herrschenden Kräfte zu fördern. Oft mit festgelegten Schulordnungen und standardisierten Inhalten.
Im 18. Jahrhundert etablierte sich der Staat als neue lenkende Kraft im Bildungsbereich durch die Einführung der Schulpflicht und die Ausweitung der Schulverwaltungen. Das Bildungs-wesen war nun mehr oder weniger unabhängig von der Kirche, diente jedoch weiterhin zur vorgegebenen Vermittlung politischer und gesellschaftlicher Werte.
Die zusätzlichen Reformen im 18. Jahrhundert unter Friedrich Wilhelm I. und später unter Friedrich dem Großen setzten anschließend den Grundstein für ein national vereinheitlichtes Bildungssystem. Das preußische Schulsystem entwickelte sich daraufhin zu einem der effektivsten und einflussreichsten Bildungssysteme Europas. Es setzte Standards für Schulpflicht, staatliche Einflussnahme, universelle Bildung und prägte Bildungssysteme weltweit.
Während einzelne protestantische Länder wie die reformierte Schweiz oder die skandinavischen Länder eine Schulpflicht auf Grundlage des preußischen Schulsystems bereits im 16. Jahrhundert oder spätestens im 17. Jahrhundert einführten, ließen sich das katholische Österreich damit bis 1774, Bayern bis 1802 und die ebenfalls katholischen Länder Italien und Frankreich sogar bis 1877 und 1882 Zeit. Während dieser Zeit wurden in nahezu allen Ländern die Grundideen für die später etablierten modernen Einrichtungen gepflanzt, die als öffentliche Schulen bekannt sind.
In Deutschland bestand seit dem Reichsgrundschulgesetz von 1920 und der neu eingeführten Grundschule für alle Kinder die Pflicht zum Besuch einer öffentlichen Schule. Die bis dahin noch üblichen schulartspezifischen Vorschulen sollten damit der Vergangenheit angehören, ebenso die in manchen deutschen Ländern legale und deshalb übliche Praxis vermögender Eltern, ihre Kinder privat, durch Hauslehrer, unterrichten zu lassen. Gleichwohl gelang es auch nach der Verabschiedung des Grundschulgesetzes Eltern mit abweichenden Meinungen immer wieder, für ihre Kinder vom Gesetz her mögliche Ausnahmeregelungen durchzusetzen. Die letzten privaten Vorschulen und die Praxis des Privatunterrichts wurden erst in den 1930er Jahren vollständig abgeschafft. [2]
DIE ROLLE DES STAATLICHEN SCHULSYSTEMS IM DRITTEN REICH
Das nationalsozialistische Regime nutzte zwischen 1933 und 1945 das staatliche Schulsystem in Deutschland gezielt, um ihre ideologischen Ziele zu fördern und die Jugend systematisch zu indoktrinieren. Auf Grundlage der geltenden Schulpflicht und des staatlichen Einflusses auf alle Bildungseinrichtungen hatte man freien Zugang zu den jungen Köpfen der Nation und konnte sie nach eigenen Vorgaben formen und lenken. Bildung wurde zu einem Instrument der politischen Propaganda, der Gleichschaltung und der Erziehung.
Biologie, Geschichte und Erdkunde wurden stark von der nationalsozialistischen Ideologie geprägt. Der Lehrplan wurde auf militärische Werte ausgerichtet, wie Gehorsam, Disziplin und Kampfbereitschaft. Die deutsche Geschichte wurde verzerrt dargestellt, um das nationalsozialistische Weltbild zu untermauern. Das Konzept der „Volksgemeinschaft“ wurde als Leitidee vermittelt, um die individuelle Freiheit dem kollektiven Wohl unterzuordnen. Das Ziel der Bildung war nicht die individuelle Entwicklung, sondern die Erziehung eines loyalen, linientreuen und gehorsamen Staatsbürgers. Kritisches Denken wurde systematisch unterdrückt. Schulbücher wurden umgeschrieben und strikt ideologisch kontrolliert. [4]
Nach 1945 drängten die Alliierten auf eine grundlegende Reform der Schule, der sie eine erhebliche Mitschuld an der Entstehung von Autoritätshörigkeit und Untertanengeist gaben. Ironischerweise endete diese Reform in einer Verlängerung der Schulpflicht und in einer Intensivierung der staatlichen Einfluss-nahme auf die jungen Köpfe der Nation. Tatsächlich sahen die Schulgesetzentwürfe, die in den auf Veranlassung der Alliierten entstandenen Ländern ab 1946 formuliert wurden, die Verlängerung der Grundschulzeit um mindestens zwei Jahre vor. [5]
Offensichtlich war die staatliche Einflussnahme auf Wissensvermittlung und Jugend der Nation für die Alliierten nur so lange gefährlich und falsch, wie sie nicht selbst das zu lehrende Weltbild vorgeben konnten.
DIE ROLLE DES STAATLICHEN SCHULSYSTEMS IN DER DDR
Das staatliche Schulsystem in der DDR wurde vom neuen sozialistischen Regime als ein wichtiges Instrument genutzt, um die Gesellschaft ideologisch zu formen und die Loyalität zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands sowie zur marxistisch-leninistischen Weltanschauung sicherzustellen. Die Bildungspolitik wurde dabei streng zentralisiert und auf die Bedürfnisse des sozialistischen Staates ausgerichtet.
Die DDR führte 1965 das sogenannte „einheitliche sozialistische Bildungssystem“ ein. Man wollte damit von offizieller Seite soziale Unterschiede beseitigen und die Gleichheit aller Schüler gewährleisten. Lehrpläne, Schulbücher und Unterrichtsmaterialien wurden demnach zentral vom Ministerium für Volksbildung in Abstimmung mit der SED vorgegeben. Alle Inhalte wurden dabei ideologisch überprüft.
Alle Fächer, auch vermeintlich neutrale wie Mathematik oder Naturwissenschaften, wurden genutzt, um die marxistisch-leninistische Ideologie zu vermitteln. Geschichte und Staatsbürgerkunde waren besonders wichtige Fächer, in denen die Überlegenheit des Sozialismus und die Feindseligkeit des Kapitalismus betont wurden. Das Fach Staatsbürgerkunde diente der politischen Erziehung und vermittelte die Grundlagen des Marxismus-Leninismus, die Rolle der SED und die Bedeutung der DDR als sozialistischer Staat.
Ziel war die Erziehung zur „sozialistischen Persönlichkeit“, die durch Gehorsam, Kollektivdenken, Disziplin und Treue zur DDR geprägt war. Schüler wurden dazu erzogen, ihre Interessen den Bedürfnissen der Gemeinschaft unterzuordnen. Lehrer wurden nach ihrer politischen Einstellung ausgewählt. Nur linientreue Lehrer, die die Ideologie der SED vertraten, durften unterrichten. Lehrer, die als kritisch galten, wurden entlassen oder überwacht.
Das staatliche Schulsystem in der DDR war ein zentraler Pfeiler der sozialistischen Diktatur. Es diente weniger der individuellen Bildung als vielmehr der Erziehung zur Linientreue und zur Anpassung an die sozialistische Gesellschaft. Kritisches Denken wurde unterdrückt, und Bildung war stark politisiert.
DIE ROLLE DES STAATLICHEN SCHULSYSTEMS IM 21. JAHRHUNDERT
Sowohl im Dritten Reich als auch in der DDR wurde das staatliche Schulwesen von der herrschenden Klasse als Werkzeug genutzt, um die jungen Köpfe der Nation mit den eigenen Ideologien zu infiltrieren und zu konditionieren. Die Methoden lassen dabei ein Muster erkennen und zeigen zahlreiche Parallelen, wie beide Regime das Bildungswesen als zentralen Hebel für ihre ideologischen Ziele und die Kontrolle der Gesellschaft einsetzten:
- Lehrpläne und Unterrichtsmaterialien wurden im Sinne der ideologischen Prägung angepasst.
- Kritisches Denken wurde unterdrückt, während blinder Gehorsam und die Unterstützung der herrschenden Ideologie gefördert wurden.
- Lehrer mit abweichenden Meinungen oder Bildungsansätzen mussten mit Disziplinarmaßnahmen rechnen oder wurden entfernt.
- Die Unterordnung individueller Freiheiten zugunsten der Gemeinschaft und dem Allgemeinwohl wurde als Tugend hervorgehoben
- Die schulische Erziehung diente der Vorbereitung auf die jeweiligen wirtschaftlichen und militärischen Bedürfnisse des herrschenden Systems.
Also wie steht es um das heutige Bildungssystem? Konnte das Schulwesen erfolgreich reformiert werden oder sehen wir uns immer noch den gleichen Mustern ausgesetzt? Dient das staatliche Schulwesen auch heute noch der herrschenden Klasse als willkommenes Werkzeug die Jugend zu formen und die Wurzeln ihrer Ideologien in die jungen Köpfe der Nation zu pflanzen?
Werfen wir einmal einen ehrlichen Blick auf unsere heutige Zeit:
BEISPIEL 1: MILITARISIERUNG
In den vergangenen Jahrzehnten sehen wir eine zunehmende Zusammenarbeit zwischen staatlichen Schulen und der Bundeswehr, mit dem Ziel die Jugend für den Krieg und den Dienst an der Waffe zu begeistern. Im März 2024 hat sich beispielsweise die damalige Bildungsministerin Stark-Watzinger für ein unverkrampfteres Verhältnis zwischen Schulen und der Bundeswehr ausgesprochen. [6] Schulen sollen die Kinder auf den Kriegsfall vorbereiten, wofür Jugendoffiziere an den Schulen für die Arbeit der Bundeswehr werben sollen. Laut einer offiziellen Stellungnahme der damaligen rot-grünen Bundesregierung aus dem April 2024 bestehen in 9 Bundesländern Kooperationsvereinbarungen zwischen Landesministerien für Bildung und den jeweiligen Landeskommandos der Bundeswehr [7]
Die Kinderrechtsorganisation ‚Terre des Hommes‘ schreibt auf ihrer Seite, Zitat:
„Die Bundeswehr wirbt zunehmend bei Kindern und Jugendlichen, gezielt und einseitig: Vor Corona erreichten allein die Jugendoffiziere und Karriereberater der Bundeswehr jedes Jahr an Schulen mehr als 400.000 Schüler, darunter auch Kinder von gerade einmal elf Jahren.“ [8]
In diesem speziellen Beispiel ist die Zusammenarbeit zwischen den staatlichen Schulen und der Bundesregierung sehr offensichtlich. Noch viel fraglicher und gefährlicher sind jedoch die unterschwelligen Versuche, das Weltbild der jungen Menschen im Sinne der staatlichen Doktrin zu lenken und zu formen.
BEISPIEL 2: GLEICHSCHALTUNG
Im März 2022 stimmte das EU-Parlament einem Entwurf einer sogenannten „Expertengruppe zur Bekämpfung von Desinformation und zur Förderung der digitalen Kompetenz durch Bildung und Ausbildung“ zu. Mit diesem Entwurf drängen die europäischen Regierungen von oben nach unten in die öffentlichen Schulen, um sich Zitat: „…unter anderem auf kritisches Denken, die Ausbildung von Lehrern, Prebunking, Entlarvung und Faktenüberprüfung sowie das Engagement von Schülern zu konzentrieren.“ [9] Diese von offizieller Seite bezeichnete Sensibilisierung von Kindern gegenüber Desinformation soll Hand in Hand mit einer flächendeckenden Digitalisierung der Schulen umgesetzt werden.
In dem Entwurf der europäischen Sonderkommission heißt es, Zitat: „in der Erwägung, dass die Vorbeugungen und proaktiven Maßnahmen, einschließlich Prebunking, weitaus wirksamer sind als die anschließende Überprüfung von Fakten und Widerlegung von Behauptungen, die eine geringere Reichweite haben als die ursprüngliche Desinformation… fordern wir alle Mitgliedstaaten auf, Medienkompetenz und digitale Kompetenz von der frühen Jugend bis hin zur Erwachsenenbildung in ihre Lehrpläne aufzunehmen.“ [10]
Prebunking ist hierbei ein neuer Fachbegriff der Inokulations-Forschung und stammt aus den intellektuellen Denkfabriken verschiedener Elite-Universitäten. Prebunking kann als Gegensatz zu Debunking verstanden werden. Wobei beim Debunking getätigte Behauptungen im Nachhinein überprüft werden, soll das Prebunking die psychische Einstellung des Empfängers so präparieren, dass fragliche Behauptungen bereits im Vorhinein abgelehnt werden. [11]
Diesem Verständnis folgen bereits erste staatlich geförderte Lernspiele für Schüler wie Fake it to Make it [12], Go Viral oder Get Bad News [13]. Das Online-Spiel Fake It To Make it wurde von der Bundeszentrale für politische Bildung ins Deutsche übersetzt und kommt mit der Bereitstellung einiger Materialien für den Einsatz im Schulunterricht.
Einer der Entwickler des zweiten Lernspiels Get Bad News ist der renommierte Forscher Sander van der Linden von der Campridge Universität und einer der führenden Vertreter der sogenannten Inokulations-Theorie, die eng mit dem Begriff Prebunking verbunden ist.
In einer Begleitstudie zu einem in Kooperation mit Youtube durchgeführten Prebunking-Testlauf erklärt Van der Linden diese neueste Methodik zur Konditionierung junger Menschen wie folgt:
„Die Inokulations-Theorie folgt einer Analogie zur medizinischen Immunisierung und geht davon aus, dass es möglich ist, eine psychologische Resistenz gegen unerwünschten Überzeugungsversuchen aufzubauen, ähnlich wie medizinische Impfungen eine physiologische Resistenz gegen Krankheitserreger aufbauen. Psychologische Impfbehandlungen enthalten zwei Kernkomponenten:
- eine Vorwarnung, die ein Gefühl der Bedrohung durch einen bevorstehenden Angriff auf die eigene Einstellung hervorruft, und
- eine abgeschwächte (Mikro-)Dosis von Fehlinformationen, die eine präventive Widerlegung oder Vorverurteilung der erwarteten irreführenden Argumente oder Überzeugungstechniken enthält.“[14]
Mit anderen Worten möchte man eine vordefinierte ablehnende Reaktion im Schülergehirn auf bestimmte Inhalte veranlagen.
Die vom europäischen Parlament beauftragte Expertengruppe für Medienpädagogik zur Inokulation von Schülern konnte mit den Leitlinien für Lehrkräfte noch im gleichen Jahr 2022 erste Ergebnisse vorlegen. [15]
Mittlerweile gibt es unzählige landesweite Projekte, die im Sinne der Inokulationstheorie und des Prebunking entsprechende Lehrmaterialen bereitstellen und die Lehrerschaft schulen. Für die flächendeckende Vermarktung dieser neuen Strategie greift die Bundesregierung auch auf die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten zurück, die bereits in unserer Analyse über die deutschen Medien [16] als Sprachrohr von Kapital und Macht identifiziert wurden. Beispielsweise stellt der NDR mit seinem Projekt Verschwörungstheorien im Netz [17] entsprechendes Lehrermaterial zu Verfügung. Hierbei bedient man sich der ebenso beliebten wie manipulativen Strategie, jeglichen Widerspruch am bestehenden Narrativ der Regierung oder der herrschenden publizierten Meinung mit übertriebenen Geschichten zu verbinden.
Ein weiteres dieser Beispiele ist die von verschiedenen staatlichen Stellen getragene Plattform Anders Denken [18]. Hier werden die Schüler mit spielerischen Team-Aufgaben am Beispiel besonders absurder Theorien darauf konditioniert, alles abzulehnen, was mit dem Begriff Verschwörungstheorie belegt wird.
Das EU-Parlament und die deutsche Bundesregierung bewerben diesen Einfluss auf unsere jüngsten Generationen mit der Bekämpfung von Desinformation und der Förderung digitaler Kompetenz, hier sei jedoch die Frage erlaubt, wer hier über Desinformation bestimmt und welche Kompetenzen hier genau im Mittelpunkt stehen. Bei genauerer Betrachtung handelt es sich bei diesen neuen Leitlinien, Prebunking und Inokulation vielmehr um eine Firewall und Gleichschaltung für das kindliche Gehirn. Der Lerneffekt besteht letztendlich darin, dass die Heranwachsenden gesellschaftliche Strömungen personifizieren und hinter Meinungen, die den herrschenden Institutionen missfallen, eine Verschwörung „böswilliger Akteure“ vermuten sollen. Die Schüler sollen im Endeffekt durch psychologische Manipulation widerstandsfähiger gegenüber systemkritischen Argumenten werden.
BEISPIEL 3: DIGITALISIERUNG
Eines der wohl am intensivsten diskutierten Themen im heutigen Bildungswesen ist die zunehmende Digitalisierung von Schulen. Befürworter sehen in ihr eine historische Chance: Digitale Technologien könnten Bildung demokratisieren, individuelle Förderung ermöglichen, den Zugang zu Wissen vereinfachen und Schulen auf die Anforderungen der Arbeitswelt 4.0 vorbereiten. Seit dem Digitalpakt 2017 zwischen der Bundesregierung und der IT-Industrie gilt in der Bildungspolitik die Ausstattung von Erziehungseinrichtungen mit WLAN, Smartphones und Tablets als Kennzeichen des alternativlosen Fortschritts. [19]
Kritiker hingegen warnen vor einer vorschnellen Technologisierung ohne pädagogisches Fundament. Sie verweisen auf empirisch belegte Risiken wie Konzentrationsstörungen, Medienabhängigkeit, soziale Vereinsamung und gesundheitliche Schäden bei Kindern und Jugendlichen.
Die länderübergreifende Bildungspolitik in Deutschland wird hierbei vor allem von der Kultusministerkonferenz (KMK), ein Zusammenschluss der für Bildung, Hochschulen, Forschung und Kultur zuständigen Minister der 16 deutschen Bundesländer und dem Bundesbildungsministerium (BMBF) vorangetrieben.
Laut ihrer Geschäftsordnung behandelt die KMK „Angelegenheiten der Bildungspolitik, der Hochschul- und Forschungspolitik sowie der Kulturpolitik von überregionaler Bedeutung mit dem Ziel einer gemeinsamen Meinungs- und Willensbildung und der Vertretung gemeinsamer Anliegen“.
Mit einem aus dem Steuertopf generierten Jahresetat von rund 50 bis 60 Millionen Euro arbeitet die KMK mit Hochdruck an einer vollumfänglichen Digitalisierung des deutschen Bildungswesens. [20] Hierzu hat die KMK im Jahr 2016 das Handlungskonzept Bildung in der digitalen Welt zur Integration digitaler Medien in den Unterricht eingeführt. Zur Umsetzung dieser Strategie wurde zusätzlich das Förderprogramm DigitalPaktSchule ins Leben gerufen. [21] Hierzu hat der Bund zwischen 2019 und 2024 ein Volumen von 5 Milliarden Euro bereitgestellt, um die digitale Infrastruktur der Schule zu verbessern. Das Folgeprogramm DigitalPakt 2.0 mit einem ähnlichen Gesamtvolumen für den Zeitraum von 2025–2030 ist auch schon in Arbeit.
Im aktuellen Jahresbericht der Kultusministerkonferenz zur Bildung in der digitalen Welt für den Zeitraum von August 2023 bis Juli 2024 heißt es dazu:
„Im Berichtszeitraum haben die Länder ihre Fortbildungsangebote stetig weiter ausgebaut. Dabei wird der Fokus hinsichtlich der Nutzung digitaler Medien und der Stärkung digitaler Kompetenzen in Fortbildungsangeboten vermehrt auf interaktive und adaptive Lehr-Lern-Szenarien gelegt. Neben dem Themenkomplex Künstliche Intelligenz und ChatGPT werden beispielsweise der Einsatz von 3-D-Druckern, das Arbeiten mit VR- und AR-Formaten, die Verwendung von Tablets im Unterricht, Coding und Programmieren, FakeNews und Verschwörungstheorien als Themen aufgegriffen.“ [22]
Kritische Stimmen gegenüber diesen Entwicklungen weißen auf die nicht absehbaren gesundheitlichen Folgen für die Kinder hin. So hat beispielsweise der Psychologe und Neurowissenschaftler Prof. Manfred Spitzer von der Universität Ulm das Gutachten der Kultusministerkonferenz im Jahr 2022 mit einer eigenen Analyse kommentiert. [23]
Dort verweist er auf wissenschaftlich belegte Risiken wie Bewegungsmangel, Übergewicht, Bluthochdruck, Schlafstörungen, Kurzsichtigkeit sowie psychische Probleme wie Aufmerksamkeitsstörungen, Ängste, Depressionen und Sucht als Folge von intensiver Nutzung digitaler Bildschirmmedien durch Kinder und Jugendliche. Darüber hinaus beeinträchtige -laut Professor Spitzer-die Mediennutzung Empathie, Lebenszufriedenheit und Solidaritätsfähigkeit.
Im Juni 2023 wurde zudem die Leitlinie zur Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in Kindheit und Jugend als gemeinsame Empfehlung von elf deutschen Fachverbänden aus Medizin und Psychologie publiziert, federführend ist die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ). [24] Die Leitlinie empfiehlt eine drastische Einschränkung der Nutzung von Bildschirmmedien bei Kindern und kritisiert ebenso die flächendeckende Digitalisierung von Schulen und Kitas.
So heißt es dort, Zitat:
„Durch die flächendeckende Präsenz von Mobilfunkgeräten und anderen Drahtlosnetzwerken sind die meisten Menschen ständig hochfrequenter elektromagnetischer Strahlung ausgesetzt. Dabei sind die Auswirkungen dieser Strahlung auf die menschliche Gesundheit nach wie vor unklar. Belastbare Forschungsergebnisse, größtenteils aus Tierversuchen, deuten auf zelluläre Veränderungen bis hin zur Tumorpromotion durch elektromagnetische Felder hin. Inwieweit dies auf Menschen übertragbar ist, wird wissenschaftlich kontrovers diskutiert und ein eindeutiger Zusammenhang mit Erkrankungen wie Krebs, Depressionen, Schlafstörungen, Suchtverhalten, Unfruchtbarkeit oder Elektrohypersensibilität liegen bisher nicht vor. Gefahren für die menschliche Gesundheit können jedoch gerade bei Kindern beim derzeitigen Forschungsstand nicht ausgeschlossen werden.“
Im gleichen Jahr hat das Bündnis für humane Bildung in Kooperation mit der Gesellschaft für Bildung und Wissen ein Manifest mit der Forderung nach einem Moratorium der Digitalisierung in Kindertagesstätten und Schulen verfasst. [25]
Das inzwischen von vielen Wissenschaftlern unterzeichnete Moratorium findet sich auf der Netzseite: www.die-pädagogische-wende.de mit vielen weiteren interessanten Flugblättern und Buchempfehlungen. Dort heißt es, Zitat:
„Digitalisierung gilt derzeit im Bildungsbereich für alle Altersstufen als zeitgemäße Lösung von Bildungsfragen. Tatsächlich sind die Wirkungen und Nebenwirkungen digitaler Medien auf Entwicklungs-, Lern- und Bildungsprozesse wissenschaftlich oft ungeklärt. Vielmehr verdichten sich die wissenschaftlichen Hinweise auf enorme Nachteile und Schäden für die Entwicklungs- und Bildungsprozesse von Kindern und Jugendlichen durch digitale Medien. Im Sinne der Fürsorgepflicht öffentlicher Bildungseinrichtungen fordern wir daher ein Moratorium der Digitalisierung insbesondere der frühen Bildung bis zum Ende der Unterstufe (Kl. 6): Es müssen zuerst die Folgen der digitalen Technologien abschätzbar sein, bevor weitere Versuche an schutzbefohlenen Kindern und Jugendlichen mit ungewissem Ausgang vorgenommen werden. Diese haben nur ein Leben, nur eine Bildungsbiografie und wir dürfen damit nicht sorglos umgehen.“
Inzwischen rudern laut dem aktualisierten UNESCO-Bildungsbericht [26] viele Bildungssysteme, darunter Länder wie Schweden, Spanien, Finnland, Lettland und Dänemark zurück und schränken angesichts dieser Beweislage die Digitalisierung in Schulen stark ein, beziehungsweise verbieten Smartphones mindestens an Grundschulen.
FAZIT:
Wie konnte es dazu kommen, dass staatliche Behörden wie die Kultusministerkonferenz und das Bundesbildungsministerium, die unsere Kinder und Jugendlichen in Vertretung des Volkes schützen sollten, all diese wissen-schaftlichen Erkenntnisse ignorieren und mit Milliarden von Steuergeldern eine Digitalisierungswelle im Bildungsbereich vorantreiben, die fatale physische und vor allem mentale Folgen für eine gesamte Generation haben wird?
In ihrer im August 2024 auf ResearchGate erschienenen Dissertation mit dem Titel Governance-Transformationen und neue Formen des Policymakings am Beispiel der Digitalisierung von (schulischer) Bildung in Deutschland [27] beschäftigte sich die Philosophiedoktorandin Annina Förschler mit den unterschiedlichen Institutionen und Verbänden, die zunehmend in komplexen Netzwerken agieren und die Bildungspolitik in Deutschland hinsichtlich der Digitalisierung prägen.
In ihrer Arbeit legt sie dar, wie staatliche Akteure wie die Kultusministerkonferenz und das Bundesministerium für Bildung und Forschung in enger Kooperation mit Big Tech-Konzernen, Stiftungen und intermediären Netzwerken wie dem Bündnis für Bildung oder dem Forum Bildung Digitalisierung die Digitalisierung der Schulen vorantreiben.
So heißt es beispielsweise in ihrer Dissertation auf Seite 60:
„Ein neuer und sehr aktiver intermediärer Akteur ist das bereits erwähnte 2016 gegründete „Forum Bildung Digitalisierung e. V.“ Dieser Unternehmensstiftungs-Verbund macht sich seit seiner Gründung für die „digitale Transformation im Bildungsbereich“ stark und kann dabei auf umfassende Ressourcen der Trägerstiftungen (2018 waren dies die „Bertelsmann Stiftung“, „Siemens Stiftung“, „Robert Bosch Stiftung“ und „Deutsche Telekom Stiftung“, mit Förderung der „Stiftung Mercator“), als auch deren etablierte Expertenrollen im öffentlichen und politischen Bildungsdiskurs bauen. Insbesondere die jährlich stattfindende „Konferenz Bildung Digitalisierung“ (KonfBD) hat sich inzwischen zu einem wichtigen Policy Event etabliert, das Akteuren in und um Schule aus verschiedenen Hintergründen „eine Plattform für Austausch und Vernetzung“ bietet und neue Ideen für die Gestaltung des Bildungssystems aufzeigt.“
Frau Annina Förschler kommt zu dem Entschluss, dass die Digitalisierung der Bildung als dominantes Narrativ politischer Modernisierung mit dem Versprechen auf Bildungs-gerechtigkeit und Innovation missbraucht wird, wobei das eigentliche Ziel ein tiefgreifender Strukturwandel ist.
Hierbei werden Schulen mit dem Aufbau von Lernplattformen, Datenbanken und Überwachungstools als datenproduzierende Orga-nisationen umgebaut.
Und wie bereits bei unserer Analyse über die deutsche Medienlandschaft spielt die Bertelsmann Stiftung eine zentrale Rolle. Sie ist eine der Gründungsstiftungen und nach wie vor Mitglied des Unternehmensstiftungs-Verbundes Forum Bildung Digitalisierung (fbd) und war ein zentraler Akteur im Agenda-Setting für den DigitalPakt Schule. Inhaltlich plädierte sie dort für die Schwächung des Bildungsföderalismus und die Etablierung eines Nationalen Bildungsrates – als übergreifendes Steuerungsinstrument. Die Bertelsmann Stiftung engagiert sich seit mindestens 2015 aktiv an einer Digitalisierung der Bildung in Deutschland. In diesem Jahr begann sie mit der Arbeit an dem Projekt Monitor Digitale Bildung, und ab 2017 mit dem Projekt Schule und digitale Bildung. Zusätzlich treibt sie unter dem Deckmantel von individueller Förderung und Chancengerechtigkeit das Konzept der Ganztagsschulen voran. [28]
Über Kooperationen mit Ministerien, Plattformprojekten wie SchulTransform und Initiativen wie dem DigitalPaktSchule fördert sie die technokratische Steuerung und Managementlogik im Bildungssektor und beeinflusst durch Studien, Konferenzen und strategische Partnerschaften die Bildungsreformen.
Den Hauptpropagandisten der Digitalen Bildung Bitkom, Bertelsmann, Microsoft, Apple, Google und Telekom geht es zusätzlich um den Absatz von Hard- und Software und um die Steuerung des Lernens durch Algorithmen. Das Endstadium der Digitalen Bildung soll ein autonomer Unterricht sein, in dem der zentral gesteuerte Computer das Unterrichten übernimmt.
Abbildung 2: Hauptpropagandisten der Digitalisierung im Bildungsbereich in Deutschland
Lösungen
Wie wir in unserer bisherigen Recherche zum staatlichen Bildungswesen herausarbeiten konnten, gibt es zahlreiche Kritikpunkte und Verbesserungsansätze.
In erster Linie ist es von entscheidender Bedeutung, die Muster und innewohnenden Mechanismen zentral gesteuerter und auf Zwang basierender Schulsysteme zu erkennen.
Auch wenn es oftmals fälschlicherweise so dargestellt wird: Das staatliche Schulsystem dient nicht der individuellen Bildung oder der Förderung kritischen Denkens. Vielmehr ist es ein zentrales Instrument zur ideologischen Kontrolle und zur Sicherung des Status quo. Dabei wird Bildung als Werkzeug der Indoktrination genutzt, um Gehorsam, Anpassung und Linientreue zu erzeugen. Die meisten Absolventen werden nach kurzer Zeit weder Differenzialrechnung beherrschen noch wissen, welche Hauptstadt Mazedonien hat oder welches chemische Symbol Eisen besitzt. Doch was sich über all die Schuljahre wie ein Brandmal in das Gedächtnis eingeprägt hat, ist die lebenslange Doktrin, dass gute und erfolgreiche Menschen in dieser Gesellschaft der Autorität gehorchen.
Zwar wurde das kirchliche Monopol auf die Bildung des Volkes in den vergangenen Jahrhunderten beseitigt, doch wurde dieses Monopol lediglich auf eine neue, externe Autorität verlagert, die in ihrem Wesen nicht minder religiös wirkt.
Sobald wir das verstehen, können wir uns und unsere Kinder vom zentralisierten, staatlich regulierten Bildungsmodell befreien.
In einem zweiten Schritt sollten wir uns über die bestehenden alternativen Möglichkeiten und Philosophien informieren, so dass wir selbstbestimmt eine bessere Entscheidung im Interesse unserer Kinder treffen können.
Während in Deutschland noch immer eine gesetzliche Schulpflicht gilt, besteht in Österreich und in einigen Regionen der Schweiz lediglich eine Bildungspflicht. Das bedeutet, dass Eltern dafür sorgen müssen, dass ihr Kind eine allgemeine Bildung erhält. Dies muss jedoch nicht zwingend in einer Schule geschehen. Eltern, die ihre Kinder zu Hause bilden möchten, können dies somit im deutschsprachigen Raum umsetzen.
Neben den staatlichen Schulen gibt es in Deutschland auch verschiedene freie Alternativschulen wie Montessori-, Waldorf- oder Sudbury-Schulen, die andere pädagogische Konzepte und Lehrmethoden anbieten. Selbstverständlich müssen auch diese Schulen den staatlichen Vorgaben entsprechen und sind in Bezug auf Digitalisierung und Gleichschaltung teilweise genauso aufgestellt wie staatliche Schulen. Hier ist also im Vorhinein eigene Recherche angebracht.
Einer der führenden Ansprechpartner im deutschsprachigen Raum, wenn es um die Neuausrichtung des Bildungssystems geht, ist der Bildungsaktivist Ricardo Leppe. Der österreichische Gedächtnistrainer und Zauberkünstler wurde selbst viele Jahre zu Hause geschult und propagiert Lernmethoden, die auf Effizienz, Begeisterung und Nachhaltigkeit setzen. Er verbindet diese mit seiner Vision einer dezentralisierten, kindzentrierten Schule der Zukunft.
Leppe begründet diese Methoden auf seinem eigenen Wissensschatz und der jahrelangen Erfahrung in der Arbeit mit Kindern und Bildungskonzepten. In Workshops und Interviews beschreibt Leppe seine Vorstellung der Schule der Zukunft als einen Raum, in dem Kinder nach ihrem inneren Rhythmus und ihren Interessen lernen; nicht primär für Noten, sondern für Verstehen und echte Begeisterung arbeiten; Methodenkompetenz (z.B. Gedächtnistechniken, Medienkompetenz, Eigenorganisation) als Grundlage jedes Lernens entwickeln; altersübergreifend und projekt-orientiert zusammenarbeiten; und sich nicht in einem hierarchischen, sondern in einem gemeinschaftlichen Lernsetting befinden.
Er betont, dass Bildung als Werkzeug zur Selbstermächtigung verstanden werden sollte, nicht als Zwangssystem. Daher will er Strukturen fördern, die mehr Raum für individuelles Lernen schaffen – sei es in reformpädagogischen Schulen, Homeschooling oder freien Bildungsinitiativen.
Mit seiner Plattform Wissen schafft Freiheit (WSF) unterstützt er bestehende Schulen, Lehrkräfte, Homeschooler und Initiativen weltweit. In Österreich und Deutschland arbeiten bereits mehrere Initiativen an der Gründung von Schulen, die sich stark an seinen Visionen orientieren, bisher jedoch nur auf dem Papier existieren. [29]
Abbildung 3: Logo der Plattform ‚Wissen schafft Freiheit‘ von Ricardo Leppe
Auf seiner Plattform Wissen schafft Freiheit finden sich zahlreiche kostenlose Kurse über alternative Lernmethoden, eine Übersicht über verschiedene Netzwerke für Schulen, Initiativen und Lehrkräfte, um alternative Bildungsmodelle zu verbreiten und vieles mehr.
Es ist dabei nicht überraschend, dass Leppe aufgrund seiner Forderung nach Bildungsdezentralisierung von offiziellen Stellen, Medien und Beobachtungsstellen in eine rechte oder verschwörungstheoretische Ecke eingeordnet wird, da die Dezentralisierung einen strukturellen Machtverlust für jede Regierung bedeutet und somit als Bedrohung eingestuft werden muss. Wie wir in unserer bisherigen Analyse darlegen konnten, ist die Sicherung des eigenen staatlichen Bildungsmonopols ein absoluter Grundpfeiler einer jeden bestehenden Machtordnung. Dabei ist es tatsächlich völlig egal, ob es sich um eine totalitäre rechte oder linke Regierung handelt.
Zum weiteren gibt es im deutschsprachigen Raum Menschen wie Chris Fader, der selbst schulfreie Kinder erzieht und in seinen Onlinekursen und Coachings andere interessierte Familien zu diesem Thema berät. Er bietet ebenso eine Plattform für diese wachsende Community von Eltern, die ihre Kinder frei von zwangsbasierten Bildungssystemen aufwachsen lassen wollen. Für Fader ist das Schulfrei leben mehr als ein Bildungsweg. Es ist eine Haltung. Eine Haltung des Vertrauens und der bedingungslosen Liebe. [30]
Fakt ist, dass es eine große und wachsende Gemeinschaft im deutschsprachigen Raum gibt, die sich mit alternativen Bildungssystemen bis hin zu schulfreien Konzepten beschäftigen und in Zeiten des Internets und der dezentralisierten Informationsbeschaffung ist dieses Wissen nur einen Mausklick entfernt.
Zu guter Letzt sei hier der österreichische Vordenker, Philosoph und Schriftsteller Ivan Illich genannt. Er präsentierte bereits im Jahr 1972 in seinem einflussreichen Werk Entschulung der Gesellschaft Alternativen zur traditionellen Schule. Dort forderte er -ähnlich wie heute Leppe- eine grundlegende Neuorganisation, jenseits institutionalisierter Bildung. Seine Vision ist eine dezentralisierte, selbstbestimmte Lernkultur, die auf Zugang, Vernetzung, Freiwilligkeit und Gleichwertigkeit basiert.
So schreibt er in seinem Buch (Seite 30):
„Durch Schulunterricht werden weder Lernen noch Gerechtigkeit gefördert, da die Schulpädagogen darauf bestehen, Unterweisung mit Benotung zu verbinden. Lernen und die Zuweisung sozialer Rollen werden zur Schulung verschmolzen. Dabei bedeutet Lernen, eine neue Fertigkeit oder Erkenntnis zu gewinnen, während Beförderung von der Meinung abhängt, die sich andere gebildet haben. … Rollen werden zugeteilt, indem man in einem Curriculum den Kanon von Bedingungen festlegt, die der Bewerber erfüllen muss, um aufzusteigen. Die Schule verbindet die Unterweisung – nicht aber das Lernen – mit diesen Rollen. Das ist weder vernünftig, noch wirkt es befreiend. Es ist zweckentfremdet, weil nicht etwa relevante Eigenschaften oder Fähigkeiten mit den Rollen verknüpft werden, sondern vielmehr das Verfahren, durch das man solche Eigenschaften oder Fähigkeiten angeblich erwirbt. Es wirkt nicht befreiend oder bildend, weil die Schule die Unterweisung denjenigen vorbehält, deren Lernen Schritt für Schritt Maßstäben einer vorher festgelegten gesellschaftlichen Kontrolle entspricht.“ [31]
Schlussendlich ist es wichtig zu erkennen, dass der Geist unserer Jugend eine der wertvollsten Ressourcen auf dieser Erde ist. Wir dürfen die Bildung unserer Kinder nicht einem zentral gesteuerten Staatssystem oder in Zukunft einer KI überlassen. Wie wir in dieser Analyse aufzeigen konnten, basiert das staatliche Schulsystem weder auf moralischen Werten noch agiert es im Interesse der Kinder. Wir müssen aktiv und bewusst mit unseren Kindern über diese Themen kommunizieren. Vor allem müssen wir mit gutem Beispiel vorangehen.
Beispielsweise wird jedem dritten Kind im Alter von eins bis acht Jahren selten oder nie vorgelesen. [32] Die Motivation zu lesen nimmt bei der jüngsten Generation immer weiter ab. Sorgen Sie als Elternteil dafür, dass sich das wieder ändert!
Wer mehr über das staatliche Schulsystem und mögliche Alternativen lernen möchte, der kann sich mit der Arbeit von Ricardo Leppe und seiner Plattform ‚Wissen schafft Freiheit‘ auseinandersetzen. Wir ermutigen auch zum Lesen folgender Bücher:
- ‚Stichwort Schule: Trotz Schule lernen’ von Vera F. Birkenbihl
- ‚Entschulung der Gesellschaft‘ von Ivan Illich
Wir empfehlen ebenso das erste Kapitel von Derrick Broze Doku-Reihe ‚The Pyramide of Power‘ zu sehen. [33]
Lade dir unser wissenschaftliches Paper mit dem vollständigen Literaturverzeichnis einfach herunter:
